Headhunter als Katalysat der Krise: Von der Götterdämmerung zum Wunderwuzzi

Wen wundert’s. kaum ist die Krise herbeigeredet tönt es lautstark von Seiten der Personalberater und Vermittler, dass ab nun keine globalen Kompetenzen mehr bei Managern vonnöten seien sondern “die Zeit der Blender und Selbstdarsteller vorbei ist”, so jedenfalls das Resume von Herrn Alexander Kail, laut Kurier einer der führenden Experten für Führungskräfte-Suche von der Firma Stanton Chase. Vielmehr gefragt seien ab sofort wieder die schon fast in Vergessenheit geratenen Soft Skills; Glaubwürdigkeit, Offenheit und Fairness stehen ganz oben auf der Menüliste der Personalrekrutierer und Headhunter. Die Frage sei gestattet, warum diese Art der Soft Skills erst jetzt eine solche Wichtigkeit zugesprochen wird. Sind nicht die Headhunter selbst diejenigen, die diese Kompetenzen in Zeiten vor der Krise unterschätzt oder wissentlich aus der Beurteilung geeigneter Kandidaten ausgeschlossen haben? Es muss nachgefragt werden, inwieweit Headhunter und Personalagenturen selbst Teil des Systems Wirtschaftskrise sind, auch wenn sie von sich selbst behaupten würden, lediglich eine neutrale Funktion einzunehmen. Die Logik ist jedoch, dass Headhunter de facto Teil des Systems Wirtschaft sind – mit dem Ziel durch die Vermittlung eines Kandidaten an ein Unternehmen eine höchstmögliche ökonomische Rendite zu erzielen. Teil der Krise sind daher sicherlich nicht nur die Manager und Führungskräfte selbst, die in exaltierten Positionen Entscheidungen trafen, die nicht zum Wohl der Gesellschaft dienten. Vorgelagert gab es stets die Stufe der Personalberatungen und Headhunter-Agenturen, die aufgrund ihrer Vermittlungsarbeit am Goldrausch partizipierten.

Die heute ausgesprochenen Lobeshuldigungen ob des “erprobten und krisenfesten Managers” klingen eher nach Abbitte als nach Ursachenbewältigung. Der Grund, dass „unerprobte und unsichere“ Führungskräfte mit überzogenen Gehaltsforderungen gegen eine mit maximal möglicher Vermittlungsprovision an Unternehmen vermittelt wurden, liegt zum Teil an den Headhuntern selbst. Sie sind Grund für die Krise, da viele mittelmäßige Führungskräfte in den herausgehobenen Positionen in Banken und Versicherungen gehievt wurden, ohne zu verantworten, was das für Folgen haben könnte – für Belegschaften, Städte, Regionen, Staaten. Solange die von Herrn Kail so schön titulierten „Wunderwuzzis“ überhaupt die Chance haben, in entsprechenden Positionen arbeiten zu können, solange wird die Gefahr einer erneuten Krise auch nicht gebannt sein. Die Rolle der Headhunter als Katalysatoren der Krise muss neu überdacht und Lösungen zu einer Verbesserung der Prozesse gefunden werden.

http://kurier.at/karrieren/uni/310676.php

Über: Kai Reinhardt

Kai Reinhardt hat 10 Beiträge in diesem Blog geschrieben.

Autor des Buches Kompetenzmanagement in der Praxis.

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